1. Dampferfahrt und Kurzfilmpreis-Verleihung auf der MS Starnberg, FSFF 2018 (© Jörg Reuther)

  2. PREISTRÄGER der Filmpreise 2018: Ascan Breuer, Eike Goreczka, Arpad Bogdan, Matjaz Ivanisin, Gregor Bozic, Xavier Chotard (© Jörg Reuther)

  3. Abschlussfeier und Verleihung der Filmpreise in der Schlossberghalle Starnberg, FSFF 2018 (© Jörg Reuther)

  4. Verleihung des DACHS-DREHBUCHPREISES, FSFF 2018 (© Pavel Broz)

  5. Kino Breitwand Starnberg, FSFF 2018 (© Pavel Broz)

  6. Dampferfahrt und Kurzfilmpreis-Verleihung auf der MS Starnberg, FSFF 2018 (© Pavel Broz)

  7. Eröffnungsfilm STYX mit Marieke Oeffinger, Drehbuchautorin Ika Künzel und Matthias Helwig, FSFF 2018 (© Pavel Broz)

Fünf Seen Filmpreis geht an GENESIS von Árpád Bogdán

Rückblick: 12. FSFF
großer Erfolg

Das 12. Fünf Seen Filmfestival (6. bis 15.9. 2018), das wohl größte kulturelle Ereignis in der Region, war ein großer Erfolg. Etwa 120 Filmschaffende stellten ihre neuen Werke persönlich vor. Die Gewinner der Sektionen Fünf Seen Filmpreis, Perspektive Junges Kino, Dokumentarfilmpreis, Publikumspreis, Short Plus und Video Art-Preis wurden bei der Abschlussfeier am Samstagabend gekürt. Festivalleiter Matthias Helwig zeigte sich „sehr zufrieden“ mit dem diesjährigen Festival. Der neue Termin im September habe funktioniert. Auch 2019 wird das Festival im September veranstaltet. Dann unter dem Motto "Raum".

Das 12. Fünf Seen Filmfestival - diesmal mit Termin im September - war ein großer Erfolg. Rund 19 000 Filmfans kamen während der zehn Festivaltage in die Spielstätten in Starnberg, Gauting, Schloss Seefeld und Weßling. Rund 120 Filmschaffende stellten ihre Werke auf dem nach München und Hof wichtigsten Filmfestival in Bayern persönlich vor, unter ihnen die Ehrengäste Schauspieler, Autor und Regisseur Josef Bierbichler, Deutschlands wohl erfolgreichster Regisseur Dominik Graf und Editorin Bettina Böhler, die "Meisterin des Schnitts". Gut 100 Filmgespräche wurden geführt, 150 ausgewählte Filme in 276 Vorstellungen präsentiert.
Festivalleiter Matthias Helwig zeigte sich sehr zufrieden: "Die Verlagerung in den September hat funktioniert. Unsere Festivalfreunde haben den neuen Termin angenommen. Und auch das Wetter hat mitgespielt. Wir hatten teils noch sehr sommerliche Stimmungen mit wunderschönem Septemberlicht. Ein Höhepunkt war wieder die schon legendäre cineastische Dampferfahrt auf dem Starnberger See mit der Open-Air-Kurzfilmverleihung und rund 400 Besuchern, ein Event, das deutschlandweit in der Filmfestivallandschaft einzigartig ist." Besonders freue es ihn, dass viele Filme gut besucht waren so wie STYX, DER KLANG DER STIMME, JOY IN IRAN oder WACKERSDORF. Überaus gut angenommen wurde die Kurzfilmreihe in den Spielstätten Kino Breitwand in Gauting und Pfarrstadl in Weßling, mit insgesamt 300 Zuschauern. "Sehr erfreulich war zudem, dass sich viele Menschen Zeit für unsere Zeit-Reihe genommen haben", betonte Helwig weiter. Der "Zeit" war eine Retrospektive gewidmet. Neun ausgewählte Filme, die sich mit dem Phänomen "Zeit" auf denkbar unterschiedliche Weise befassten, wurden auf dem Festival präsentiert, darunter ZWÖLF UHR MITTAGS, der Charly Chaplin-Klassiker MODERNE ZEITEN und ES WAR EINMAL IN AMERIKA in der um 22 Minuten längeren Fassung.
Jurymitglieder und Filmschaffende lobten gleichermaßen wieder die außergewöhnlich hohe Qualität des Festivalprogramms mit hochspannenden Podiumsdiskussionen und Filmgesprächen sowie zwei Uraufführungen, 19 Deutschlandpremieren, 26 Süddeutschlandpremieren und sechs Bayernpremieren. Der Fokus des Festival lag auf dem Film aus Mitteleuropa: Das Filmland Schweiz präsentierte sich mit insgesamt zwölf Produktionen, davon allein mit fünf Deutschlandpremieren. Österreich zeigte acht Produktionen, davon eine Deutschlandpremiere sowie zwei Süddeutschlandpremieren. Auch im kommenden Jahr wird das Fünf Seen Filmfestival im September veranstaltet. Dann unter dem Motto "Raum". Als Eröffnungstermin für das 13. FSFF nannte Festivalleiter Matthias Helwig den 5. September 2019. (5. bis 14.09. 2019)
Am Samstagabend (15.9.), wurden die von den hochkarätig besetzten Jurys prämierten Filme in der Schlossberghalle Starnberg ausgezeichnet:
GENESIS (HU/2018) von Árpád Bogdán geht als Sieger im Hauptwettbewerb um den Fünf Seen hervor. "Mit glühender Intensität, ganz dicht an den Figuren erzählt, konfrontiert uns Regisseur Árpád Bogdán immer wieder mit erschütternd roher Gewalt und der universellen Frage, wer das Recht hat, über Leben und Tod zu entscheiden", heißt es in der Begründung der Jury. Mit dem Filmpreis "Perspektive Junges Kino" wurde LEMONADE (RO/CD/DE/SE 2018) von Ioana Uricaru ausgezeichnet. Der Dokumentarfilmpreis geht an PLAYING MEN (SI/KRO 2017) von Matjaz Invanisin. Mit dem Publikumspreis wurde DER AFFRONT (FR/CY/LE/US 2017) von Ziad Doueiri prämiert. Der Short Plus Award geht an DIE SPIELER (DE/2018) von Samuel Auer und der Video Art Preis an PARADISE LATER (2010) von Ascan Breuer.
Die Gewinner des DACHS-Drehbuchpreises, des Horizonte-Filmpreises und des Kurzfilmpreises waren schon während des Festivals gekürt worden.

Fünf Seen Filmpreis
Gewinner des mit 5000 Euro dotierten Fünf Seen Filmpreis ist GENESIS von Árpád Bogdán. Der Preis ist vom Landratsamt Starnberg gestiftet.
GENESIS erzählt von dem neunjährigen Ricsi, der mit leuchtenden Augen die Welt bewundert, liebevoll seinen Hund umsorgt und seinem Vater verspricht, der im Gefängnis wegen Holzdiebstahls sitzt, gut auf seine Mutter aufzupassen. Er lebt mit ihr in einer abgelegenen Roma-Siedlung auf dem ungarischen Land. Ricsis Familie wird verfolgt, malträtiert und grausam behandelt. In drei Kapiteln werden die Wunden dieser Gesellschaft aufgeblättert.
Begründung der Jury:
"Genesis ist eine cineastische Schöpfungsgeschichte, aus drei Perspektiven erzählt. Gewalttätige Übergriffe auf Roma im heutigen Ungarn vor dem Hintergrund realer Begebenheiten - ein Stoff über die brutale Verfolgung von Minderheiten, wie er aktueller kaum sein könnte und doch viel zu selten im Kino zu sehen ist. Der Blick des neunjährigen Roma-Jungen Ricsi, der die Ermordung seiner Mutter miterleben muss, bleibt einem als Zuschauer unvergesslich. Mit glühender Intensität, ganz dicht an den Figuren erzählt, konfrontiert uns Regisseur Árpád Bogdán immer wieder mit erschütternd roher Gewalt und der universellen Frage, wer das Recht hat, über Leben und Tod zu entscheiden."

Perspektive Junges Kino
Der mit 3000 Euro dotierte, von der Stadt Starnberg gestiftete Nachwuchspreis Perspektive Junges Kino geht an LEMONADE von Ioana Uricaru. Mit diesem Preis werden Filme ausgezeichnet, die das erste oder zweite Werk des jeweiligen Regisseurs sind.
LEMONADE ist Geschichte über den Mut und das Leid einer jungen Frau, der nichts bleibt, als immer wieder über sich ergehen zu lassen, was unausweichlich scheint: "Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, mach Limonade draus", sagt die Krankenpflegerin Mara aus Rumänien. Sie träumt vom amerikanischen Traum und erduldet unermüdlich sein Zerplatzen an den Behörden, gewalttätigen Männen und rassistischen Polizisten.
Begründung der Jury:
"Der Debütfilm von Ioana Uricaru ist eine Film über Machtmissbrauch und die Suche nach einem besseren Leben, getragen von der starken Hauptfigur. Im Zentrum steht Mara, eine junge, alleinerziehende rumänische Mutter im Kampf gegen das amerikanische Einwanderungssystem. Eindringlich, ehrlich und sensibel gelingt es der Hauptdarstellerin Malina Manuvici den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen und uns an ihrer intensiven Gefühlswelt teilhaben zu lassen. Mit ihrem klaren und einfachen Wertesystem wird sie zum Spielball männlicher Gewalt."
Publikumspreis
Mit dem von der Süddeutschen Zeitung gestifteten Publikumspreis in Höhe von 2000 Euro wird der Film DER AFFRONT (2017) von Ziad Doueiri ausgezeichnet.
Der im Libanon spielende Film DER AFFRONT erzählt die Geschichte eines Gerichtsstreits und ist mehr als eine spannende Parabel über Ursache und Wirkung oder die Auswüchse männlicher Egos. Der Film zeigt die Traumata eines Landes und seiner Einwohner, die aus der Vergangenheit heraus bis in die Gegenwart wirken.
Dokumentarfilmpreis
Der mit 3000 dotierte Dokumentarfilmpreis geht an PLAYING MEN von Matjaz Ivanisin. Der Preis ist von der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg gestiftet.
PLAYING MEN handelt von Männern, die die Zeit verspielen und darin aufgehen. Ironie, Humor, Verständnis - wie sind Männer? Spielerisch, romantisch, einsam, im Wettbewerb. Wie die ölgetränkten, sich messenden Körper auf dem Sportplatz oder in dem Wettbewerb um den vom Hügel bis ins Tal rollenden Käse. Würden Frauen auf solch absurde Ideen kommen? Und sich daran freuen?
Begründung der Jury:
"Wir - die weibliche Jury - haben sich entschieden den Dokumentarfilmpreis des diesjährigen Fünf Seen Filmfestivals einem Film zu verleihen, der ausschießlich männliche Protagonisten zeigt. Matjaz Ivanisin schaut Männern beim Spielen, Austarieren, Demonstrieren und auch Verlieren zu. Es geht um die Positionierung des Mannes im Männlichen. Archaisch, aggressiv, lustvoll, lustig, auch lüstern. Wir begegnen Männern in der Türkei, Slowenien, Kroatien und Italien - bei unterschiedlichen Spielen. Seine Herangehensweise, die verschiedenen Begegnungen in essayistischen Einzeltableauts darzustellen, hat uns einstimmig überzeugt."

Short Plus Award
Der mit 500 Euro dotierte Short Plus Award geht an DIE SPIELER von Samuel Auer. Der seit 2011 vergebene Preis ist von der Gemeinde Weßling gestiftet. Mit diesem Format wird dem mittellangen Film (20 bis 60 Minuten) eine Plattform gegeben.
DIE SPIELER handelt von einer Pokerspielrunde im Hinterzimmer eines türkischen Cafés in Berlin und den Folgen, die ein junger Spieler verursacht.
Video Art Preis
Der mit 500 Euro dotierte Video Art Preis geht an PARADISE LATER von Asca Breuer. Der Preis ist von der Stephan und Christoph Kaske Stiftung gestiftet, die sich hauptsächlich für zeitgenössische Musik, aber auch in der bildenden Kunst und im Kunstfilm engagiert.
PARADISE LATER des in Wien arbeitenden Dokumentarfilmers Asca Breuer ist eine Art dokumentarische Literaturverfilmung. Der verwendete Text ist ein Destillat aus Josef Conrads "Herz der Finsternis" von 1899, den Ascan Breuer aus dem Belgisch-Kongo des ausgehenden 19. Jahrhunderts ins Indonesien des 21. Jahrhundert transferiert. Es gelingt ihm meisterlich einen Bogen zu spannen zwischen der fundamentalen Zivilisationskritik des Ausgangstextes und den berührenden Bildern vom Leben der Ärmsten in einer indonesischen Megacity. Er umfasst einen Zeitraum von 120 Jahren, von den Auswüchsen des Kolonialismus bis zu denen des Turbokapitalismus.
Die Jurys
In der Jury für den Fünf Seen Filmpreis und den Nachwuchspreis Perspektive Junges Kinos saßen Markus Aicher, Johanna Bittenbinder, Felicitas Darschin, Till Derenbach, Tobias Hermann und Nobert Lechner. Die Jury für den Dokumentarfilmpreis war mit Alice Agneskirchner, Gabriela Bussmann und Sandra Trostel besetzt. In der Jury Horizonte Filmpreis waren Kristian Gründling, Angelika Mrozek-Abraham und August Pflugfelder, in der für den Dachs Drehbuchpreis Dirk Ahner, Benedikt Röskau und Natalie Spinell.
Insgesamt gab es auf dem 12. Fünf Seen Filmfestival neun Wettbewerbe.
Den Dachs Drehbuchpreis gewann das Autorenteam Hans Weingartner und Silke Eggert von 303, der Horizonte Filmpreis ging an KINDER UNTER DECK von Bettina Henkel, der Kurzfilmpreis "Das goldene Glühwürmchen" an REALITÄT von Lucas Thiem.

Hauptpartner des FSFF sind die Bayerische Staatskanzlei, FFF Bayern, die Stadt Starnberg, der Bezirk Oberbayern, das Landratsamt Starnberg, die Kreissparkasse und das Kino Breitwand. Die Hauptmedienpartner sind BR, B2 und SZ, Medienpartner der Kreisbote, Blickpunkt Film, Arteschock und Seemagazin.

Information: www.fsff.de; facebook: fünf seen filmfestival