"Von den Dingen anders berichten heißt andere Dinge berichten", schrieb Pierre Bourdieu über Algerien. In WAX & GOLD wählt Ruth Beckermann ein von Kaiser Haile Selassie erbautes Hotel in Addis Abeba als Ausgangspunkt für filmische Erkundungen eines Ortes, der ihr zugleich vertraut und fremd ist. In assoziativen Bewegungen verbindet der Film Archivmaterial über ein wenig bekanntes Kapitel des Faschismus mit Gesprächen über Äthiopiens Vergangenheit und Gegenwart. So entfaltet sich eine persönliche Reflexion über den europäischen Blick und die widersprüchlichen Ebenen historischer Wahrheit.
"Ich denke, am Ende spricht man immer über sich selbst, webt einen neuen Faden in das Geflecht der eigenen Erfahrungen, der europäischen Geschichte." (Ruth Beckermann)
(Ruth Beckermann Produktionsseite)
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Ende der 1960er-Jahre, die für Afrika ein prägendes Jahrzehnt waren, eröffnete der äthiopische Kaiser Haile Selassie mit dem Hilton Addis Ababa ein Grandhotel, das zum umstrittenen Symbol seiner Zukunftshoffnungen für den Kontinent, aber auch seiner Selbstüberhöhung wurde. Ruth Beckermann nimmt Quartier in dem Hotel und taucht in die Vergangenheit und Gegenwart Äthiopiens ein. Dabei bewegt sie sich zwischen Vertrautem und Fremdem, Fakten und Fiktion. Ihre Suche nach historischer Wahrheit entfaltet sich als prüfende Betrachtung voller Widersprüche, Einsichten und Momente der Erleuchtung. Beckermann verbindet Archivaufnahmen des Kaisers mit aktuellen Gesprächen und Interviews im Hotel und lässt auch ihre eigenen Reflexionen als europäische Frau in den Film einfließen. Gleichzeitig gibt sie Einblicke in das Leben außerhalb des opulenten Hotels, wo Arbeiter*innen in langen Schlangen an Bushaltestellen stehen und die Skyline von den Skeletten unfertiger Hochhäuser geprägt ist. (Berlinale)