Drei Jahre lang hat Rosi mit seiner Kamera die Stadt Neapel und die Landschaft dokumentiert, über der sich Lava und Asche spuckend der Vesuv erhebt. In seinem Schatten sind Archäologen bei der Arbeit, laden syrische Seeleute ukrainisches Getreide aus, projiziert ein marodes Kino auf Zelluloid inszeniert das grausame Schicksal Pompejis, sortiert eine Museumskuratorin antike Funde. Die mediterranen Farben sind diesem Mosaik aus luziden monochromen Bildern entzogen, am Fuß des brodelnden Bergs hat sich Geschichte von der Chronologie gelöst. Die Zeit, so scheint es, vergeht dort nicht, sie lagert sich an in Schichten permanent gegenwärtiger Vergangenheit. (Viennale, Barbara Kronsfoth)
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Ein dokumentarisches Porträt der Region um Neapel und den Vesuv, gedreht in poetischen Schwarz-weiß-Bildern. Dabei fokussiert der Film auf ungewöhnliche Facetten wie etwa die Arbeit in einer Notrufzentrale, die Hausaufgabenbetreuung eines alten Mannes in einem Antiquariat oder zwei syrische Seemänner, deren Schiff im Hafen von Neapel Getreide aus der Ukraine anliefert und die auf die Rückfahrt ins kriegsgebeutelte Odessa warten. Die Vergangenheit der antiken Lebenswelt, die 79 n. Chr. durch einen verheerenden Vulkanausbruch verschüttet wurde, schillert dabei immer wieder in die Gegenwarts-Ausschnitte: Archäologen spüren dieser Vergangenheit nach, Touristen besichtigten ihre Zeugnisse und Tunnel in der Region, die Polizei und Staatsanwaltschaft untersuchen, zeugen von ihrem Ausverkauf durch Grabräuber. Eine visuell exquisite, inhaltlich dank ihres eigenwilligen Fokus inspirierende Annäherung, die die Region, die sie erkundet, nicht nur als Ort versteht, sondern als vielschichtiges Gebilde aus Landschaft und (Lebens-)Geschichte(n). Dabei geht es auch um die Grenzen menschlicher Gestaltungsansprüche und die Beziehungen zwischen Vulkanen, Natur, Kino, Krieg, Revolutionen, Kunst, Geschichte, Tod und Vergänglichkeit. (Filmdienst)