Auf dem Weg zurück nach Ying Ge Hai hüllt sich ein ehemaliges Liebespaar in Schweigen, was ihr jeweiliges Leben angeht, und beschränkt sich in stillem Einvernehmen auf die Gegenwart.
Han Jiangyus Aufmerksamkeit gilt toten Fischen und langsam auf dem Grill verendenden Hummern. Ob sie wohl eine Seele haben, fragt er seinen Jugendfreund Chen Kai. Dessen Geschäfte florieren. Denn die Insel Hainan, auf die Jiangyu nach zehn Jahren Haft zurückgekehrt ist, hat sich radikal verändert. Sie ist zum Aushängeschild des intensivierten Wohnungsbaus geworden – und damit auch ein Paradies für Abzocke und Betrug. Jiangyu trifft auch seine alte Liebe wieder, die nun eine Tochter hat. Möglicherweise von ihm?
Gemeinsam mit seiner zentralen Figur – eine großartige Performance von Lee Kang-Sheng, der sogar lächelt – sucht Debütant Wu Lang nach den Spuren des Alten und Vertrauten im Neuen. Mit wenig Effekthascherei und umso größerem Gespür für Menschen in Räumen, Beziehungen in der Schwebe und Gesellschaften im Wandel fängt die Kamera diese Ortsbegehungen ein. Fast jede Einstellung wirkt unvermittelt und vordergründig unspektakulär; in der behutsamen Art, mit der sie sich entfalten, steckt jedoch neben visueller Präzision immer auch der Wille, etwas (ohne Worte) zu erzählen: etwa davon, dass jede Wiedervereinigung auch ein Abschied ist.
Im Rahmen des 11. Chinesischen Filmfestivals München 2023