3.11. Les glaneurs und la glaneuse

Französische Filme im Original mit Untertiteln

F 2000. R+B: Agnès Varda; K: Didier Doussin, Stéphane Krausz, Didier Rouget, Pascal Sautelet,Agnès Varda, M: Agnès Bredel, Joanna Bruzdowicz, Richard Klugman, Isabelle Olivier, ; D: Bodan Litnanski, Agnès Varda, François Wertheimer, u.a.

Für Agnès Varda hat diese Haltung etwas Archetypisches: Der Mensch bückt sich, um Essbares vom Boden aufzusammeln. Eine bescheidene, aber keine unterwürfige Haltung. Als der Ackerbau noch Handarbeit war, gehörte das Lesen der Ähren, \'\'le glanage\'\', zum Alltag der Ernte, damals ausschließlich eine Arbeit der Frauen. Heute kehrt diese Praxis wieder, im Alltag derjenigen, die kein Geld für den Supermarkteinkauf haben. Sie durchforsten abgeerntete Kartoffelfelder nach dem Ausschuss, der nicht den Handelsbestimmungen entspricht. Zum Beispiel, weil die Knollen Herzform haben.

Agnès Varda freut sich wie ein Kind über die vielen Herzkartoffeln, die sie auf dem Acker findet. Sie lässt den Blick ihrer kleinen Digitalkamera zärtlich über deren straffe, erdgesprenkelte Oberfläche gleiten. Varda ist natürlich selber eine Sammlerin, die Sammlerin aus dem Filmtitel: eine Sammlerin von Bildern. Bekannt ist sie als unbekannte Vorreiterin der Nouvelle Vague, die patriarchalische Filmgeschichte hat ihr außerdem einen Platz als Gattin von Jacques Demy eingeräumt. Informationen, die man bei der Sichtung von \'\'Die Sammler und die Sammlerin\'\' getrost vergessen kann.

Vardas Essayfilm ist eine Expedition in die Wirklichkeit eines Begriffs. Von Feld zu Feld, von Markt zu Markt, von Mülltonne zu Mülltonne ist sie durch Frankreich gezogen, um \'\'durchzudeklinieren\'\' (Varda), was \'\'glaner\'\' (\'\'sammeln\'\') bedeutet. Gesammelt werden Trauben, Äpfel, Fischfilets, Kühlschränke. Das Motiv der Sammler ist meistens Armut, oft aber auch reines Vergnügen oder Empörung über die Wegwerfgesellschaft. Obwohl der Film somit zutiefst soziale Betrachtungen anstellt, verfällt er nie in den übellaunigen Tonfall der Anklage oder der investigativen Sozialrecherche. Vardas charmante, intelligente Kommentare erstatten dem Sammeln vielmehr seine Würde zurück. Und sie lässt die Leute reden, den Obdachlosen genauso wie den Nobelkoch, der im Gebüsch liebevoll seine Kräuter zupft. Anschließend bedankt sie sich bei ihnen.

Zuhause legt Varda die Herzkartoffeln ins Regal und dokumentiert ihren Verfallsprozess. Ein anderes Mal filmt sie, die am 30. Mai 2003 75 Jahre alt wurde, ihre eigene, faltige Hand. Den Schimmel an ihrer Wohnungsdecke vergleicht sie, die eine große Kunstliebhaberin ist, mit einem Tapiès. Meditationen über den Tod wechseln sich mit Abstechern in Museen ab. Auf der Autobahn formt Varda mit der Hand eine Art Sucher vor dem Objektiv und greift nach vorbeifahrenden Lastwagen. Sie will mit ihnen spielen, sagt sie. Der Reichtum ihrer Fundsachen lässt sich kaum aufzählen.

Es ist zugleich der Reichtum einer Autorin, die mit der eigenen Stimme spricht und deren subjektive Poesie sich gerade so für die Welt durchlässig macht. Der Essayfilm, diesseits des terroristischen Erfindungsdrucks der Fiktionalität, jenseits der besserwisserischen Pädagogik des Dokumentarfilms, verkörpert die Freiheit des Kinos. Wenn es dort wahre Schönheit gibt, oder gar, um abschließend ein bisschen zu schillern, schöne Wahrheit, dann fühlt sie sich an wie \'\'Die Sammler und die Sammlerin\'\'.

Jakob Hesler

25.10., 11 Uhr Ein Augenblick Freiheit

Mit Diskussion im Kino Breitwand Starnberg

Ein Augenblick Freiheit
Ö, Fr 2008, farsi, turk m. U., 110 min., Regie und Buch: Arash T. Riahi, mit Toufan Manoutcheri,
Zutiefst bewegende Geschichte um die Odyssee dreier iranisch/kurdischer Flüchtlingsgruppen. Berührende Szenen und poetische Entwürfen, um der Realität dieser Welt für einen kurzen Moment zu entfliehen.
Anschl. Diskussion

RICARDO VOLKERT

spielt und liest Pablo Neruda

Ricardo Volkert
Al amor que nos quema - An die Liebe, die uns verbrennt
Ein Portrait des Dichters Pablo Neruda. Der große chilenische Dichter Pablo Neruda prägte nicht nur die lateinamerikanische Dichtung in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts, sondern er war auch eine der Leitfiguren der politisch-sozialen Literatur.
Seine berühmtesten und schönsten Gedichte hat er Frauen gewidmet, die er zutiefst liebte; es gibt aber auch ganz andere Liebesgedichte von ihm auf Dinge, Pflanzen, Jahreszeiten oder Orte.
Gelesen vom Münchner Schriftsteller und Turmschreiber Hardy Scharf.
Begleitet von der unnachahmlichen Gitarre von Ricardo Volkert.
anschl.
Der Postmann - Il postino
mit Massimo Troisi, sowie Philippe Noiret als Neruda

Ricardo Volkert

20.10. Wo die grünen Ameisen träumen

BRD 1984, Regie: Werner Herzog, 100 Min.
Die Uran Mining Company gräbt mit Bulldozern in der australischen Wüste. Der Ort der Erdräumungsarbeiten ist jedoch zugleich heiliger Boden für die Australischen Ureinwohner, die im nahen Reservat leben. Ein Interessenkonflikt bahnt sich an. Die wirtschaftlichen Gesetze der lukrativen Unternehmung stehen in Kontrast zu dem Glauben der Aborigines, die von der Existenz der grünen Ameisen überzeugt sind und ihre Kultstätte schützen wollen 1984 Deutscher Filmpreis. Anschl. Diskussion

DUO 21 anschl., Fräulein Stinnes fährt um die Welt

16.10. Schloss Seefeld, 20 Uhr

Das DUO 21 beschäftigt sich mit Vorliebe mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts in all ihren vielfältigen Facetten. Dabei reicht das Spektrum von moderner Klassik bis hin zu folkloristisch beeinflusster Musik, von seriösem Ernst bis spielerischer Leichtigkeit.
Programm:
DUO 21 – Musik für Querflöte und Gitarre
Serenade op. 71/3 Willi Burkhard
Präludium und Lied (1900-1955)
Romanze
Marsch

Deux Danses Jindřich Feld
Danse lyrique (1925-2007)
Danse barbare

Cançión de la Hilandera Agustín Barrios Mangoré
Julia Florida (1887-1959)
Vals op. 8, Nr. 4

Musiques populaires brésiliennes Celso Machado
Paçoca (geb. 1953)
Algodão Doce
Piazza Vittorio
Sambossa
Pé de Moleque


PAUSE


The Emperor and the Bird of Paradise Alan Ridout
(1934-1996)

The Sea Suite Laurie Randolph
The Surf – Boat on the waves (geb. 1950)
Crabs on the beach
Sailors Dance - Sirene
Neptune

Distribuçào de flôres Heitor Villa-Lobos
(1887-1959)

Fünf Miniaturen Cesar Bresgen
Ruhig (1913-1988)
Fließend
Gehend
Wiegend
Gehende Viertel


Entr`Acte Jacques Ibert
(1890-1962)

Irmgard Asimont, Querflöte
Dominik Zimmermann, Gitarre


anschl.
Fräulein Stinnes fährt um die Welt
D 2009, ab 6 J., 93 Min, Regie: Erika von Moeller. Spielfilm über die erste Frau, die um die Welt fuhr; couragiert, eigensinnig, eigenständig. Bilder von großer Weite.

Italienische Filme im Original

Programm Oktober 2009 - Januar 2010

Jeweils mittwochs in Starnberg mit Einführung in italienischer Sprache durch Ambra Sorrentino Becker

14.10.:

Il papa di Giovanna - Giovannas Vater
Italien 2009, Regie: Pupi Avati, Darsteller: Alba Rohrwacher, Silvio Orlando, Francesca Neri
Der Kunstlehrer Michele Casali führt im Bologna der 30er Jahre ein unauffälliges Leben mit seiner Frau und seiner 18jährigen schüchternen Tochter Giovanna, die er über alles liebt. Eines Tages wird Giovannas beste Freundin ermordet aufgefunden. Im Zuge der Polizeiermittlungen stellt sich bald heraus: Täterin ist niemand anders als Giovanna, die ihre Freundin in einem Akt plötzlicher Eifersucht umgebracht hat. In der bürgerlichen Gesellschaft, zu der die Casalis gehören, löst der Mord einen ungeheuren Skandal aus. Die junge Frau wird als psychisch gestört in eine Nervenheilanstalt verbracht. Der einzige Mensch, der sich weiter um sie kümmert, ist ihr Vater.
Die Geschichte eines Mannes, dem seine scheinbar gesicherte Existenz von einem Tag auf den anderen wegbricht, erzählt vor dem Hintergrund des italienischen Faschismus. Silvio Orlandos grandiose schauspielerische Leistung in der Titelrolle wurde beim Festival von Venedig mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet.

Woodstock Revival

3.10. Seefeld, 11.10. Starnberg

Wir zeigen den Originalfilm des legendären Festivals und dazu die Coming-of-Age Geschichte \"Taking Woodstock\" von Ang Lee.

Woodstock, OV:
USA, 1970, 169 min., Dokumentarfilm über das legendäre Woodstock-Festival aus dem Jahre 1969. Aus der ganzen Welt strömten in diesem Jahre rund 500.000 Menschen zusammen, um in der Nähe des Dorfes Woodstock, New York, USA, den bedeutendsten Musikern ihrer Generation zuzuhören. Im englischen Original
Drei Tage voller Frieden, Liebe und Musik von Freitag, 15. August 1969 bis zum Sonntag, 17. August 1969 ... das Ende der 60er Jahre ...


Taking Woodstock:
USA 2009, 120 min, Regie: Ang Lee, mit Demetri Martin, Jeffrey Dean Morgan, Emile Hirsch
Ein heißer Sommer 1969 in Bethel, einer ruhigen Kleinstadt im Bundesstaat New York. Dies ändert sich, als sich Elliot (Demetri Martin) entschließt, zu seinen Eltern zurückzuziehen. Diese betreiben ein heruntergekommenes Hotel, das kurz vor der Zwangsversteigerung steht. Nur durch taktisches Geschick gelingt es Elliot, diese ein letztes Mal abzuwenden. Nun muss er innerhalb kürzester Zeit viel Geld aufbringen, um die Schulden zu bezahlen. Als im benachbarten Wallkill ein Konzert aufgrund der Einwohner-Proteste abgesagt wurde, entschließt sich Elliot kurzerhand, dieses in Bethel zu organisieren. Im Veranstalter Michael Lang (Jonathan Groff) findet er schnell einen Verbündeten. Nachdem man sich über die Rahmenbedingungen einig ist und eine perfekte Wiese für das Konzert gefunden hat, können die Vorbereitungen beginnen. Doch schnell wächst die Organisation dem unbedarften Elliot über den Kopf. Als klar wird, dass statt der erwarteten Tausend Besucher rund eine Million Menschen das Konzert besuchen wollen, ist es mit dem Frieden in Bethel vorbei.
Ang Lee geht es vor allem um die Charaktere und ihre Entwicklung. In dem Sinne kann man \"Taking Woodstock\" reinen Gewissens als Coming-of-Age Geschichte bezeichnen. Der Film spielt seine ganze Stärke aber erst durch intelligent besetzte Nebenrollen, wunderbare Dialoge und jene unterschwellige Komik aus, die man in Ang Lees Werk bisher nicht bemerkte.

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